
Kein echter Frieden ohne die Zerschlagung des mörderischen Normalzustands!
Feminismus radikal - Gegen Krieg, Kapitalismus und patriarchale Unterdrückung
Von der Krise zum Krieg
Der Kapitalismus folgt einem Zwang: Er muss sich ständig ausdehnen. Doch wenn die Märkte gesättigt sind und die Profite sinken, sucht sich das Kapital neue Wege. Krieg ist kein moralisches Versagen – er ist das gewaltsame Mittel des Kapitals, um neue Märkte zu erschliessen, Ressourcen zu sichern und die Weltkarte im Interesse der Herrschenden neu zu ordnen.
Auf die kapitalismusverursachte Krise folgt die Ausweitung der Einflussspähre nach aussen und die verstärkte Ausbeutung nach innen. Die Milliarden, die jetzt weltweit in die Aufrüstung fliessen, fallen nicht vom Himmel. Das ist Geld, das rechtmässig uns Arbeiter:innen gehört. Es ist der Mehrwert, den wir jeden Tag erarbeiten. Unsere Löhne stagnieren, unsere Lebenskosten werden Schritt für Schritt erhöht.
Währenddessen bereichern sich diverse Konzerne am globalen Aufrüstungswahn. In Winterthur soll auf dem Vitusareal eine Rüstungsfirma einziehen: Bald soll man also mit «Waffen made in Winti» auf der Welt töten.
Wir sagen klar: Keinen Millimeter für die Rüstungsindustrie auf dem Vitus-Areal – weder hier noch anderswo!
Wir wollen uns lebend und wiederständig!
Aufrüstung nach aussen hat immer eine Wirkung nach innen: Es geht um Kontrolle und um Disziplinierung. Krieg und Kapitalismus können ohne patriarchale Unterdrückung nicht funktionieren. Die Kriegsmaschine lebt davon, dass häufig Frauen die unbezahlte Arbeit leisten, die das System am Laufen hält: Frauen sollen Kinder gebären, Angehörige pflegen, die Familien versorgen und die psychischen Wunden flicken, die dieses System schlägt. In Zeiten der Militarisierung wird genau diese Arbeit zur staatlichen Pflicht. Der Staat braucht die bürgerliche Kleinfamilie als Fabrik für die nächste Generation von Soldaten und Arbeiter:innen. Wenn die Herrschenden von «Heimat» und «Verteidigung» schwafeln, meinen sie immer auch die Kontrolle über unsere Körper.
Wie pervers diese Logik fertig gedacht aussieht, zeigt uns die Geschichte des nationalsozialistischen Deutschlands. Es war eine reine Bevölkerungspolitik im Sinne von Krieg und Kapital. Frauen, die als «arisch» galten, wurden zum Gebären gezwungen. Abtreibung galt als Verrat am Volk und wurde brutal bestraft, unter Umständen sogar mit dem Tod. Alles für den Nachschub an Soldaten. Gleichzeitig wurden ausländische Zwangsarbeiterinnen zur Abtreibung gezwungen oder zwangssterilisiert. Ihre Kinder waren «unerwünscht», diese Frauen sollten nur arbeiten, nicht Mutter sein. Das ist die nackte Logik der Militarisierung: Die Herrschenden entscheiden, wer leben darf und wer für sie schuften muss.
Patriarchale Gewalt endet nicht an der Haustüre. In Kriegszeiten explodieren die Zahlen zu häuslicher Gewalt und Femiziden. In der Ukraine wurden allein im Jahr 2024 zwanzig Prozent mehr Fälle von häuslicher Gewalt registriert. Der Anteil der in bewaffneten Konflikten getöteten Frauen hat sich 2023 verdoppelt. Weltweit wird alle zehn Minuten eine Frau oder ein Mädchen umgebracht, weil sie weiblich sind.
Krieg mitlitarisiert nicht nur Grenzen, sondern auch unsere Beziehungen. Er bringt Waffen in die Wohnzimmer und zerstört Schutzräume wie Frauenhäuser. Er schafft eine Atmosphäre der Gewalt, in der männliche Machtansprüche mit der Waffe in der Hand durchgesetzt werden. Trauma, Waffenverfügbarkeit und ökonomische Abhängigkeit machen das Zuhause für viele zum Schlachtfeld.
Wer aufrüstet, greift nach unseren Körpern. Und wer das Patriarchat nicht radikal angreift, wird die Kriegsmaschine niemals stoppen!
Für die Befreiung aller!
Hass und Hetze gegen trans und nonbinäre Menschen bietet für SVP bis Junge Tat einen geeigneten Nebenschauplatz, um dem tatsächlichen kapitalismusverursachten Elend dieser Gesellschaft ein Ventil zu geben. Ob es nun Menschen mit Migrationsgeschichte, Fluchterfahrung oder genderqueere Leute sind; Lieber soll gegen unten getreten werden, als den Blick nach oben zu wenden.
Transfeindlichkeit geht aber tiefer als blosse Stellvertreterdebatte. Die Hetze gegen trans Personen und der massive Angriff auf queere Rechte sind kein kulturelles Missverständnis. Sie sind der gezielte Versuch einer autoritären Formierung der Gesellschaft. Denn die Kriegsmaschine des Kapitals braucht ein unumstössliches, binäres Geschlechtersystem als ideologische Infrastruktur. Es braucht den Mann als Kämpfer und die Frau für die unbezahlte Sorgearbeit im Hinterland.
Wer diese starre Geschlechterordnung angreift, greift das Fundament der patriarchalen Kleinfamilie an. Dem Hass der Rechten gegen queere Menschen liegt die Angst des Systems vor Kontrollverlust zugrunde.
Unsere Antwort auf queerfeindliche und rassistische Hetze ist nicht die Rückkehr zur Normalität, sondern die Perspektive einer befreiten Gesellschaft, in der die Bestimmung über unsere Körper und unsere Art zu leben nicht mehr den Interessen des Kapitals unterliegen.
Für den internationalen, feministischen Widerstand!
Unsere Antwort auf Krieg und Krise kann kein bürgerlicher Pazifismus sein, der sich an die Vernunft der Herrschenden richtet. Ein System, das auf Konkurrenz und Profit gebaut ist, wird niemals wahrhaft friedlich sein.
Im Kongo erleben wir, wie sexualisierte Gewalt gezielt als Kriegswaffe eingesetzt wir, um ganze Gemeinschaften zu brechen. Im Sudan werden Frauen als Gefahr für die Militärs verfolgt, weil sie sich den öffentlichen Raum und die Strasse zurückerobert haben. Wir sehen das Grauen in Palästina: Neben dem Genozid herrscht ein spezifischer Krieg gegen die Körper und die Würde der Frauen, deren einzige Konstante der Verlust ist.
Feministischer Widerstand wird weltweit geführt. Wir sehen die Frauen im Iran, die am 8. März 1979 sechs Tage lang gegen ihre Unterdrückung protestierten und bis heute für echte Freiheit kämpfen. Wir sehen die Frauenrevolution in Rojava, die unter unvorstellbaren Opfern den IS besiegte und bis jetzt standhält.
Egal wo auf dieser Welt Krieg herrscht: Frauen erleben sexualisierte Gewalt, Kontrolle und Entwürdigung. Man will uns verstummen lassen und kleinhalten. Die Gewalt an uns ist Teil eines globalen Systems – und dieses System muss weg. Wir müssen uns bewusst sein: Kapitalismus, Imperialismus und patriarchale Unterdrückung sind ineinander verzahnt.
Für die Zerschlagung der Verhältnisse
Wir lassen uns nicht mit der liberalen Erzählung von «Gleichberechtigung» abspeisen – diese Erzählung ist kompletter Beschiss! Echte Befreiung bedeutet nicht, dass Frauen nun auch in den Schützengräben sterben dürfen. Wir fordern nicht mehr genderqueere Personen in den Führungsetagen der Waffenindustrie, um das Morden «diverser» zu gestalten. Ein «feministischer Militarismus» ist ein Widerspruch in sich!
Unser Ziel ist nicht die Gleichstellung innerhalb des kapitalistischen Systems, sondern die Zerschlagung der ökonomischen Basis, die den Krieg zum Überleben braucht. Wir kämpfen für eine Gesellschaft, in der die Produktion nicht dem Profit einiger weniger dient, sondern nach unseren tatsächlichen Bedürfnissen geplant wird!
Also am 8. März wie an allen Tagen: Hände weg von unseren Körpern! Hände weg von unseren Leben! Gegen den imperialistischen Krieg und seine patriarchale Ordnung! Wir lassen uns nicht spalten, wir lassen uns nicht zum Schweigen bringen.
Für die befreite Gesellschaft!
